Die verlorene Ehre des Karim B.

 

Ein Drama in fünf Akten, von Andrea Lilienthal, nach Motiven von Heinrich Böll, aufgeführt vom DSP-Kurs 21 (We) am 8.2.2017

 

 

Der literarisch Kundige wird ihn kennen, den Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll. Es geht darin um die junge Frau Katharina Blum, die sich in den 70er Jahren der westdeutschen Republik in einen jungen Mann verliebt, der von der Polizei gesucht wird, weil man ihn der terroristischen Mithilfe verdächtigt. Aus Liebe unterstützt und schützt sie ihn, gerät dabei in die Mühlen der Strafverfolgungsbehörden und der Medien und endet menschlich beschädigt sowie desillusioniert.
Heinrich Böll schrieb diesen Text als Kritik an der – seiner Meinung nach überzogenen - Reaktion des westdeutschen Staates und seiner Medien auf den RAF-Terrorismus. Um des Terrorismus Herr zu werden, habe man nicht gezögert, die Schutzrechte des Einzelnen zu verletzen, wo dies opportun erschien. Und man habe den Medien keinen Einhalt geboten, die die Menschenjagd reißerisch und gewinnorientiert ausgebeutet hätten, ebenfalls ohne Rücksicht auf den Einzelnen.

Dies ist der Hintergrund und der Handlungsplot des vorliegenden Theaterstücks: Andrea Lilienthal hat als Lehrerin am Kölner Heinrich-Böll-Gymnasium dieses Stück geschrieben, und im Jahr 2017 wird es von uns mit gutem Grund aufgeführt, denn in diesem Jahr jährt sich Bölls Geburtstag zum 100. Mal! Aber neben diesem Feierdatum gibt es noch einen zweiten Grund, auf Bölls „Katharina Blum“ und dessen Plot zurück zu greifen.
Hintergrund der Bearbeitung „Die verlorene Ehre des Karim B.“ ist die lange Zeit unaufgeklärt bleibende NSU-Mordserie, die deutschlandweite Serie von Tötungsdelikten an Männern mit Migrationshintergrund, die in den Jahren 2000 bis 2006 in verschiedenen Großstädten Deutschlands aus mutmaßlich völkisch-rassistischen Motiven verübt wurden. Die Opfer waren neun Kleinunternehmer, die alle am Arbeitsort hinrichtungsartig erschossen wurden, von denen acht aus der Türkei und einer aus Griechenland stammten. Die polizeiliche Aufklärungsarbeit wurde hart kritisiert für ihr angeblich blindes rechtes Auge, als man lange Zeit alle möglichen Motive für diese Taten vermutete, aber eine rechtsextreme Motivierung nicht im Fokus hatte. Auch die Medien spielten im Rahmen der NSU-Mordserie eine unrühmliche Rolle, da viele Journalisten mehr Interesse am Skandal als an der Wahrheit zeigten.

Als Hauptperson tritt uns also der junge und unschuldige Karim B. entgegen, der als Migrant der zweiten Generation scheinbar problemlos in die deutsche Gesellschaft integriert erscheint und gute persönliche und berufliche Perspektiven hat. Doch da wird sein Onkel Ali aus heiterem Himmel heraus erschossen, und die eher schluderigen polizeilichen Ermittlungen und die sensationslüsterne Presse haben schnell einen Hauptverdächtigen ausgemacht: Karim B.! Die Auswirkungen sind die von Böll her bekannten: Die so heile Welt, die so sicheren Gefühle, die materielle Lebensbasis, - alles stürzt zusammen, und Karim sieht sich – angesichts seiner verletzten und „verlorenen Ehre“ - zum Äußersten getrieben.

 

 

 

 

Wir widmen unsere Aufführung den 9 Opfern von Mundlos/Böhnhardt, nämlich Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat.

 

 

 

 

Die Schauspieler und ihre Rollen:

 

 

Lasse Baldauf als Karim B.

Vincent Castro als Anwalt u.a.

Arman Eskicioglu als Ali

Christina Fenger als Lucy

Dragun Garic als Theo u.a.

Emily Hauschild als Spitzner

Ellen Knabbe als Martina M.

Leandra Kusch als Anna G.

Malek Lourimi als Ahmet u.a.

Daniel Lukic als Hanno G.

Antonia Merhardt als T. Klotz

Felix Meyer: Kommissar Falk

Lasse Paulsen als Bankangestellter u.a.

Nina Richter als Antje G.

Tobias Stage als Kommissar Obermüller

Lina Sternal als Olga O.

Marius Thiele / Geschäftsmann

Julien Wagner als Lukas

 

Unserer besonderer Dank gilt dem Bühnenbildern-Team (Svenja Hasche, Annerieke Busch, Michelle Becker, Julius Pietrowski und Nico Krämer) für Requisiten, Unterstützung und viele Ideen, Anka Krzoßa und Manon Wachner für die Hilfe beim Schminken, und dem Bühnentechnik-Team Malte Bruns und Florian Staude. Sie alle haben etliche Stunden ihrer Freizeit für uns und unser Projekt geopfert. – Gute Leute!!

 

 

Wir danken Andrea Lilienthal, die uns das Stück so bereitwillig zur Verfügung gestellt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder-Copyright: Nell Henning

Seite zuletzt geändert am 12.02.2017, 13:08 Uhr von Ralph Werner-Dralle
 

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